10
Aug

leergelesen: Sam Savage – Firmin

Aus der Reihe “Vor Monaten geschriebene Post die im Semesterferien-meet-Praktikum-Stress vergessen wurden”: Buch-Rezensionen vom 10.05.11

Schwierig. Irgendwie ist die Story ja ganz geil: Die lebensgeschichte einer Ratte, die in einer Buchhandlung aufgewachsen, das lesen gelernt und so belesen und intelligent geworden ist. Und als stiller Beobachter auf die Menschheit “herabguckt” und sie kommentiert. Das ganze ist so grotesk detailliert, sentimental und selbstironisch melancholisch, dass es schwerfällt es nicht zu mögen. Aber insgesamt gibt das ganze doch nicht viel mehr her, als die Beschreibung der lokalpolitischen Situation Bostons in den 60ern aus der Sicht einer Ratte. Beziehungsweise zugleich das Leben und Hadern eines Schriftstellers. Was – zugegeben – nicht gänzlich uninteressant ist. Aber irgendwann hofft man die ganze Zeit vergeblich das sich vielleicht sowas wie ein Spannungsbogen entwickelt.

  • hannes: hab es auch gelesen… nette idee, teilweise nostalgisch-schöne beschreibungen von büchern und autoren aber im großen und ganzen dann doch ...
  • furb: gold: “Aber insgesamt gibt das ganze doch nicht viel mehr her, als die Beschreibung der lokalpolitischen Situation Bostons in den ...
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01
Aug

leergelesen: Ray Bradbury – Fahrenheit ...

Aus der Reihe “Vor Monaten geschriebene Post die im Semesterferien-meet-Praktikum-Stress vergessen wurden”: Buch-Rezensionen vom 10.05.11

Wenn mich nicht alles täuscht, sollte ich das doch mal damals, wie jeder, bei Frau Zimmermann im Deutsch-GK gelesen haben. Eigentlich sollte ich bei der Gelegenheit auch den Film gesehen haben. Trotzdem hatte ich keinerlei ernsthafte Erinnerung daran. Von wegen fürs Leben lernen und so. Und obwohl ich die grundsätzliche Story natürlich kannte, ist das englische Original teils so großartig, dass es schwerfällt zu glauben, das eine Deutsch-GK-Version dem auch nur ansatzweise hätte nachkommen können.

Ein Werk von dem ich auf rein literarischer Ebene begeistert bin. Ich hab lange kein Buch mehr gelesen, das die Gedankengänge, Assoziationen und Bilder seines Protagonisten so erfolgreich visualisieren konnte. Szenenbeschreibungen, die so detailliert und zugleich surrealistisch weird sind, dass man nur sich wünscht, es werde ein weiteres Mal in einer Zeit verfilmt, in der die filmischen Mittel dem Buch auch auf formaler Ebene vielleicht etwas näher kommen können. Hinzu kommt natürlich der fantastische Zynismus des perfekt strahlenden/düster-defekten Dystopia von Ray Bradbury.

Lohnt auch ein “zweites” Mal.

  • furb: ohja.
  • jonas: müsst ich auch mal lesen. kannte nur den film, der aber auch sehr gut ist (abgesehen von oskar werners dialekt)
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02
Mar

leergelesen: Leon de Winter – Das Recht...

“Als der vierjährige Bennie spurlos verschwindet, denkt sein Vater, Bram Mannheim, erst an einen Unfall, dann an ein Verbrechen. Dass das Verschwinden des Jungen mit Weltpolitik zu tun haben könnte, entdeckt er erst sechzehn Jahre später. Und er tut alles, um seinen Sohn wiederzubekommen.”

Wenn man die Genres ScienceFiction und Thriller hört, hat man ja schnell das Bild eines actiongeladenen Hollywood-Blockbusters im Kopf. “Das Recht auf Rückkehr” ist so ziemlich das Gegenteil. De Winter spannt mit der Geschichte von Abraham “Bram” Mannheim auf ruhige, geradezu bedächtige Weise, einen Bogen zwischen 2008 und der nahen Zukunft des Jahres 2024. Wobei die Spannung in erster Linie darauf ruht, dass de Winter direkt zu Anfang den Rahmen der gesamten Handlung erkennen lässt und es doch schafft in seinem nicht-chronologischen Erzählstil, Flashbacks und -forwards in einer ausgewogenen Balance zu halten, die nicht stört, hetzt, oder zuviel verrät.
Der “Science”-Part des “ScienceFiction” bleibt auch eher im Hintergrund (der anachronistische und wenig technikaffine Protagonist, mit veraltetem Handy und Mac ausgestattet, gibt dem Leser bis auf Andeutungen kaum Einblick in die Möglichkeiten des Jahres 2024), zumal Hauptaugenmerk weniger der wissenschaftliche Fortschritt, als die (welt-)politische Situation ist: Russland ist neue Weltmacht, Europa und die USA sind politisch tot, und Israel, in dem der Großteil der Handlung spielt, ist nicht mehr als ein kümmerlicher, um die Existenz kämpfender Rest, des heutigen Staates. Auf die Gründe wird nicht weiter eingegangen, ist doch das “hier-und-jetzt” wichtiger.

Dafür wirkt aber die Wandlung des Protagonisten vom angesehenen Geschichtsprofessor (mit indischer Ex-Schauspielerin verheiratet, politisch aktiv, mit dem Außenminister-Anwärter befreundet) zum heruntergekommenen Privatdetektiv, der nebenher als Sanitäter jobbt, die einen anfangs noch stutzig macht, nachvollziehbar. Und besonders seine Darstellung eines gebrochenen, neurotischen Obdachlosen ist begeisterungswürdig.

Im Vergleich zu dieser soliden Basis enttäuscht dann leider das Ende ein wenig. Hier zieht es sich über die letzten Meter unnötig, nur um dann spannungslos auszuplätschern.

Insgesamt bleibt “Das Recht auf Rückkehr” aber ein lesenswerter Polit-Thriller, der eine sehr interessante, wenn auch dystopische Sicht auf die Situation im nahen Osten zeigt.

01
Mar

leergelesen: Fragile Things: Short Fictions a...

Fragile Things wirkt wie ein zusammengewürfelter Haufen von Kurzgeschichten, Gedichten, Fast-Gedichten und Geschichtsschnipseln. Die Qualität, wie auch der Inhalt ist oft auch sehr unterschiedlich, trotzdem bilden alle eine stimmige, zusammenhängende Sammlung. Viele scheinen sehr persönlich, und bei fast jeder schimmert Gaimans Begeisterung durch Geschichten, über das Geschichtenerzählen zu erzählen. Ob es nun darum geht, ob eine wahre Begebenheit eine bessere Gruselgeschichte als eine erfundene darstellen kann, die Unterschiede von Traum- und Erzähllogik, oder wie Fantasy-Geschichten in einer Fantasy-Welt aussehen…

Und auch wenn man einiges nur liest, vielleicht kurz schmunzelt, und vergisst, gab es doch ein paar echte Schätze.

Besonders begeistert haben “Sunbird“, eine Kurzgeschichte die zwar vom Erzähl-Stil stark vom Gaiman’schen Standard abweicht (soll er doch auch dem von R.A. Lafferty nachempfunden sein), aber nichts desto trotz großartig ist. Und trotzdem auch sehr deutlich ins Universum von American Gods zu gehören scheint. Wobei das ja bei vielen Gaiman Stories so ist. Sind sie meist doch schon dadurch vernetzt, dass die Thematik von Mythen, Sagen und Geschichten und deren Verwandtschaft fast immer Thema ist.

Und “Monarch of the Glen, als Sequel oder Epilog zu Gaimans American Gods. In der “Shadow”, Protagonist aus American Gods, in Schottland als nordischer Gott Baldur, die Rolle Beowulfs bzw. Perseus’ im Kampf gegen das Ungeheuer Grendel übernehmen soll. Auch hier bekommen bereits bekannte Charaktere einer anderen Geschichte einen Crossover-Auftritt. bekommen.

11
Mar

leergelesen: Douglas Adams – Die Letzte...

Grandios. Ganz unglaublich fantastisch. Ein Reisetagebuch von Adams Reisen nach Madagaskar, Indonesien, Neuseeland, Zaire, China und Mauritius auf der Suche nach bedrohten Tierarten für eine Sendung der BBC.

Ein bisschen wie “Shenzhen“, “Pjöngjang” und die “Burma Chronicles” von Guy Delisle. Nur nicht als Comic, aber genauso so komisch und lehrreich zugleich.
Hab das Buch in 2 Tagen Krankenhausaufenthalt durch gehabt, weil man echt nicht mehr aufhört zulesen. Obwohl es eigentlich in angenehme 6 unzusammenhängende Kapitel unterteilt ist, die alle auch einzeln ein Genuss wären.

10
Mar

leergelesen: Stanisław Lem – Frieden a...

Abgefahrene Story. Crazy Typ. Sehr schwierig zu beschreiben.

Frieden auf Erden” ist Lems alternative Konsequenz der Absurdität des kalten Krieges: alle Nationen der Welt einigen sich darauf ihr Wettrüsten – auf der Erde – einzustellen und stattdessen eine sich selbst evolutionär weiterentwickelnde Kriegsmaschinerie von einer unabhängigen Agentur auf den Mond schicken zu lassen; in durch neutrale Zonen getrennte Sektoren.
Um den Fortschritt dieser autonomen, selbstoptimierenden Waffensystem zu überprüfen wird Raumfahrlegende Ijon Tichy auf den Mond geschickt. Mit weitreichenden Folgen für alle Beteiligten…

Ein bisschen SciFi, ein bisschen Agenten-Thriller, Philosophie und ne Menge weirdes Zeug.


11
Jan

leergelesen: Geschichten aus der Vorstadt des...

Meist liegen zu Weihnachten geschenkte Bücher am längsten auf meinem Stapel noch-zu-lesender-Literatur. Mit “Geschichten aus der Vorstadt des Universums” von Shaun Tan, jedoch hab ich soeben meine 2te Weihnachts-Lektüre beendet.

Geschichten aus der Vorstadt des Universums

Man könnte es behaupten, das es  deshalb so leicht fiel weil es ein Bilderbuch mit Kindergeschichten ist. Man könnte aber auch sagen, dass es einfach eine fantastische Mischung aus Graphic Novel, illustrierten Kurzgeschichten und Gesamt-Kunstwerk ist, die fesselt. Dass die 15 eigentlich unzusammenhängenden Geschichten ein super-geil-surreales Universum aus Kinderaugen präsentieren und dabei gesellschaftskritisch, philosophisch und melancholisch-poetisch zugleich sind.

Ein bisschen wie Mark Twain meets Petterson & Findus meets Phillip K. Dick oder K-Pax meets Garden State meets Alice im Wunderland oderso…

Jedenfalls verzeihe ich meiner Schwester sofort, dass es mir zu schenken, nur ein Vorwand war es zu kaufen (und noch vor mir zu lesen).

Nebenbei: die erst-gelesene Lektüre war der (inzwischen antike) 16te Band von Bone, in dem sich die Story inzwischen mit einem Tempo entwickelt, das es fast schwierig macht mitzuhalten. Ähnliches gilt für Sandman – Die Gütigen, den ich nur hin und wieder in kleinen Dosen genieße und mir jedesmal neu vornehme, erst alle Referenzen auf vorhergehende Bände noch einmal nachzuschlagen.

  • shortfilm: The Lost Thing « murmelbahn inc.: […] Shaun Tan hatte ich ja schon mal geschrieben, wusste aber bisher nicht, dass er inzwischen auch einen Kurzfilm aus ...
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